Freitag, 5. Januar 2007
Verblühte Momente
11.44 Uhr

Müdigkeit lähmt meine Glieder. In den Augen klebt der Dreck der letzten Stunden.

Mit den ersten Sonnenstrahlen waren die Gedanken, die mir zuvor den Schlaf geraubt hatten, verschwunden. Die Dämonen waren vor dem Licht geflohen und hatten eine ausgeweidete Hülle meiner Selbst zurück gelassen.

Mit der Hand streiche ich über das Laken neben mir: kalter Stoff, wo vor einiger Zeit noch warme Haut zu spüren war. Meine Fingerspitzen tasten Zentimeter für Zentimeter ab, versuchen die Erinnerung zu fühlen, sie zum Leben zu erwecken.

Wer labt sich nicht gern am süßen Nachgeschmack vergangener Zeiten?

Doch die Bilder in meinem Kopf bleiben leblose Abzüge der eigentlichen Ereignisse. Obwohl ich Tag für Tag die kleinen Gedankenschnipsel sortiere, abspeichere und jeden noch so flüchtigen, aber wichtigen Augenblick sorgfältig in meine kleine Gedenk-Bibliothek einordne, gelingt es mir nicht die Erinnerungen am Leben zu erhalten. Sie verblassen mehr und mehr und sind bald kalt und entseelt . Aus farbigen, bewegten Bilder werden graue, staubige Gedankenprotokolle. Gut sortiert, aber tot.

Wir sind, was wir erinnern. Wenn ich mich an die Momente erinnere, in denen ich glücklich war, sollte mich das eigentlich glücklich machen. Und so ist das akribische Sammeln von vergangenen Augenblicken der Versuch, das kleine Glühen einzufangen, welches das Herz schneller schlagen lässt, die Venen erweitert, bis man glaubt, man platzt. Den kleinen Funken, der kurz aufleuchtet um im nächsten Moment für immer verloschen zu sein, zu konservieren...

... um in einsamen Momenten etwas zu haben, das einen wärmt...

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